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Das Neueste aus Hamburgs User Experience Blogs
Wed, 23 Sep 2026 05:30:31 +0000
Von Feature Factories, Speisekarten und Vokabelheften
Unser Autor Wolf Brüning war zu Gast bei Digital Product Talks, dem Podcast der COBE-Gründer Felix van de Sand und Daniel Wagner. Die drei haben gut achtzig Minuten diskutiert, über Produktorganisationen, Product Discovery, Design Systeme – und darüber, was KI mit allen dreien macht. Wer die Folge gerne hören möchte, springt mit den folgenden Links direkt rein. Alle anderen finden weiter unten fünf spannende Passagen aus dem Gespräch als geschriebene Zusammenfassung.
Raus aus der Feature Factory, rein in die Product Discovery – Podigee | Spotify | Apple Podcasts (81:35)
Projektkultur ist managementfreundlicher als Produktkultur
12:45
„Man darf diesen Sachen nicht immer aus dem Weg gehen und sagen: Die Oberen sagen das, also tue ich es. Dann wird man niemals ein richtig gutes Produkt entwickeln – dann wird man zum Auftragsempfänger, und dann ist man schon wieder bei der Feature Factory.“
Teams werden nicht zur Feature Factory, weil jemand das so beschlossen hätte. Sie werden es, weil die Organisation um sie herum das Projektdenken nie hinter sich gelassen hat: die Welt der Pflichtenhefte, der Scopes, der abzuarbeitenden Listen.
Und diese Welt ist ehrlicherweise leichter zu managen. Man hat eine Liste mit zwanzig Punkten, sechzehn davon sind abgehakt, man ist ein guter Manager. Die Produktwelt bietet diesen Komfort nicht: Da heißt es, wir kennen den Weg zum Outcome noch nicht. Wer selbst unter Druck steht und das dem eigenen Chef so erzählen muss, braucht dafür eine Sicherheit, die nicht jeder hat.
Deshalb löst das auch kein Team allein. Ein Team kann dem Zustand einen Namen geben – allein das hilft schon – und sich klar machen, wie es eigentlich arbeiten möchte. Und dann mit den eigenen Führungskräften ins Gespräch gehen und dafür einen Test-and-Learn-Zeitraum vereinbaren. Vertrauen erarbeitet man sich in Schritten. Als Otto damals otto.de neu baute, war Wolf einer von drei UX-Designern in den ersten drei Produktteams, die anders arbeiteten als der große Rest der Organisation. Diese drei Teams haben sich über Erfolge so viel Vertrauen erarbeitet, dass Otto heute aus rund hundert Produktteams besteht, die nach diesen Prinzipien arbeiten. Nicht über Nacht. Aber es hat sich bewegt.
Eine Produktstrategie sollte sein wie die Karte im Sternerestaurant
22:00
„Produktstrategien sind besser, wenn sie nicht immer alles wollen, sondern eine klare Haltung zeigen: Dahin wollen wir – und dahin wollen wir vielleicht nicht, oder das ist gerade nicht relevant.“
Das Wie ist dabei ziemlich egal. Ein Word-Dokument, ein gemaltes Bild, ein Video – was auch immer bei den eigenen Leuten ankommt. Entscheidend ist, dass die Strategie Klarheit schafft und nicht bloß eine Sammlung von Wünschen und Ideen ist.
Je höher man essen geht, desto kürzer die Karte: Im Sternerestaurant stehen vielleicht noch fünf oder sechs Sachen drauf, kaum Auswahl, aber verdammt gut. Bei der Imbissbude an der Ecke, die alles von Schnitzel bis Sushi anbietet, darf man sich überlegen, ob das eine gute Idee ist. Und die Haltung, die man einnimmt, muss mit der Unternehmensstrategie harmonieren: Das Unternehmen will X, und genau darum macht die Produktorganisation Y. Das aufgeschrieben zu haben ist die halbe Miete. Vielleicht noch nicht mal.
Product Discovery ist kein Schischi-Designprozess, sondern Risikomanagement
30:40
„Nach fünfzehn Jahren Nutzertests würde ich von mir sagen, dass ich eine sehr gute Intuition dafür habe, was im User Experience Design funktioniert und was nicht. Und trotzdem bin ich immer wieder überrascht, wie oft ich dann doch falsch liege.“
Software zu bauen und zu betreiben ist auch mit KI verdammt teuer. Und das falsche Produkt zu bauen ist nicht nur verschwendetes Geld: Man vergrault damit Kunden, und man kann jahrelang in die falsche Richtung weiterbauen, ohne es zu merken, weil man sich in die eigene Lösung verliebt hat.
Zwei Beispiele, auf die das Gespräch immer wieder zurückkam. Sonos hat ein App-Update ausgeliefert, das intern längst als kaputt markiert war – ein Unternehmen, das von der Experience lebt, hat innerhalb weniger Wochen Sterne, Nutzer und Unternehmenswert verloren. Duolingo hat die liebevoll handgemachten Lessons durch KI-generierte ersetzt und Nutzer verloren, die tausend Tage Streak hinter sich hatten. Man stelle sich vor, man hat einen richtig guten persönlichen Sprachlehrer, und eines Tages steht stattdessen ein kleiner Kassettenrekorder vor der Tür. Beide Risiken hätte man vorher finden können. Das ist kein Hexenwerk – es heißt nur, mit Nutzern zu sprechen, bevor man ausliefert, statt danach.
Und der Einwand, Discovery sei im KI-Zeitalter zu langsam, dreht die Sache um: Wer mit KI zehnmal schneller in die falsche Richtung rennt, hat auch viel Zeit verloren.
Ein Design System kann das Vokabelheft für die KI sein
53:00
„Du bist als Designer nicht weniger kreativ, nur weil du nicht jedes Mal diesen Button neu malen musst. Und genauso bist du als Entwickler nicht weniger Entwickler, wenn du nicht immer diesen Button neu programmieren musst.“
Design Systeme begleiten Wolf schon lange; er hat damals das erste Otto Design System initiiert und später das zweite für die B2B-Portale. Die alten Argumente gelten unverändert: Konsistenz, Effizienz – und eine gemeinsame Produktsprache, sodass ein Ding tatsächlich der Primary Button ist und nicht „der Knopf da“.
Dazu kommt jetzt ein neues. Wir wissen alle, dass der Code, den KI produziert, mittelgut ist und in komplexen Situationen nicht immer produktiv einsetzbar. Ein Design System verengt das Feld: Die KI muss sich die UI-Komponenten nicht jedes Mal neu ausdenken, sondern bedient sich aus einem viel gröberen Baukasten mit weniger Freiheitsgraden – und kommt damit deutlich näher an produktionsreifen Code.

Der Haken ist der alte geblieben. Ein Design System muss man als Produkt sehen, mit dedizierten Ressourcen und echter Ownership. Was als Side-Project oder Hobby von irgendwem läuft, wird keine Nachhaltigkeit haben – und grassroots gegen das Management funktioniert es auch nicht, dann sind wir wieder beim Hobbyprojekt. Der andere Fehler ist, das System zu überfrachten: alle UI-Elemente rein, die Brand Guidelines rein, Text rein, bis so viele Optionen drinstehen, dass keine Guidance mehr übrig ist. Bei Otto gilt dafür eine einfache Regel: Was sehr wahrscheinlich nicht wiederverwendet wird, kommt nicht ins Design System.
Das Optimum liegt zwischen den Rollen
1:08:46
„Sonst findet man nur das lokale Optimum. Dann haben die Designer unter sich herausgefunden, wie sie KI einsetzen, um besser Figma zu machen, und die Entwickler können schneller coden. Aber ich glaube, das Optimum liegt zwischen den Rollen.“
Das ist der Punkt, für den Wolf derzeit am stärksten wirbt. Wenn Organisationen anfangen, mit KI zu experimentieren, setzen sich die Designer mit den Designern zusammen und die Entwickler mit den Entwicklern – und jede Gruppe optimiert ihr eigenes Handwerk.
Unsere Rollen sind aber dort entstanden, wo sie sind, weil Entwicklerressourcen teuer und knapp waren. Diese Grenzen sind zu einem guten Teil willkürlich gesetzt, und sie müssen nicht so bleiben. Vielleicht ist es sinnvoller, den Entwicklern statt eines Figma-Bildes gleich Frontend-Code zu geben. Vielleicht macht das Konzept nur grob, wer sonst das Design ausgestaltet, und der Entwickler gestaltet die UI aus. Muss der Product Manager ein PRD schreiben, oder kann er nicht auch schon Prototypen bauen? Das findet man nur heraus, wenn man rollenübergreifend experimentiert: Nutzerperspektive, technische Perspektive, Businessperspektive in einem Raum.

Und an alle Designerinnen und Designer, die sich gerade Sorgen um ihren Job machen: Wer sagt „Ich mache ein Design auf Klick, einen Designer brauche ich nicht mehr“, versteht meistens nicht, was Designer wirklich tun. Das finale Design zu bauen sind vielleicht die letzten zehn Prozent der Designarbeit. Die Antwort darauf ist keine Abwehrhaltung, sondern den eigenen Wertschöpfungsbeitrag sichtbar zu machen – für sich selbst und für alle anderen.
Zum Schluss wurde Wolf gefragt, was er an der Gestaltung digitaler Produkte ändern würde, wenn er eine Sache ändern könnte:
„Ich würde den Produktteams das Vertrauen und den Freiraum geben, die Lösung selbst zu finden, um die Ziele und gewünschten Outcomes zu erreichen – und sie nicht ständig mit langen Listen von Features konfrontieren. Denn ich glaube, so kriegen wir die besten Lösungen.“
You can find an English version of this article on Wolf’s blog.
produktbezogen.de – Der Blog für Produktmanagement und User Experience Design
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Tue, 15 Sep 2026 14:57:41 +0000
Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal besucht das ligeti zentrum
Der Beitrag Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal besucht das <i>ligeti zentrum</i> erschien zuerst auf ligeti zentrum.
Mon, 07 Sep 2026 11:58:32 +0000
Ars Electronica 2026: Klangskulpturen im Elisabethinengarten
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Sat, 29 Aug 2026 09:40:40 +0000
KI macht UX Research schneller. Machen wir UX Research wirksamer?
KI schenkt immer mehr Zeit in der Vorbereitung, Durchführung, Dokumentation und Auswertung von qualitativen und quantitaiven UX und User Research Projekten. Diese Zeit nutzen viele von uns schon sehr wirkungsvoll: Sie setzen diese Zeit einsetzen, um bei gleichbleibender Arbeitszeit mehr Projekte durchzuführen.
Und, einigen von uns gelingt es zugleich …
- früher in Projekte einzusteigen, beratend und begleitend.
- gemeinsam mit Kolleginnen, Kollegen und Kunden die wirklich (!) relevanten Fragen zu identifizieren.
- tiefer in Nutzungskontexte einzudringen, sie zu „durchdenken“.
- Erkenntnisse fundiert einzuordnen,
- Nutzer- und Unternehmensperspektive zu verbinden.
- Entscheiderinnen und Entscheidern Sicherheit, Orientierung und Beratung zu geben.
Klingt für dich nach einer schönen Situation, ist aber für dich noch nicht Realität?
Schauen wir uns an, was dafür notwendig ist. Und lass uns gern gemeinsam etwas daran ändern: Für deine, für eine rosarote Zukunft dank KI.
UX Research meets KI – operative Exzellenz trifft auf strategische Relevanz!
Gut ausgebildete, erfahrene UX Researcher (w/m/d) werden dank KI stetig produktiver. KI hilft einzelne Arbeitsschritte schneller zu erledigen, ohne an Qualität zu verlieren: Studien vorbereiten, Daten strukturieren, umfangreiches Material analysieren, Muster sichtbar machen sowie Ergebnisse aufbereiten und dokumentieren.
Das verändert nicht das Berufsbild “UX Research”. Und das verändert auch zunächst nicht, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten UX Researcher (w/m/d) brauchen. Sie brauchen weiterhin ein tiefes Verständnis und umfangreiche Erfahrung mit Methoden und Erhebungsverfahren. Gleichzeitig müssen sie die richtigen Fragen stellen, Menschen und Kontexte verstehen, Erkenntnisse mit unternehmerischen Zielen verbinden und Orientierung für Entscheidungen geben können.
Der Wert und der sogenannte „Business Impact“ guter UX Researcher Arbeit ist weiterhin am größten, wenn diese Verbindung gelingt:
operative Exzellenz liefern und zugleich strategische Relevanz schaffen – oder wie es Rebecca Schüler im Interview auf Nutzerbrille zum Ausdruck brachte: “UX machen und UX wirksam machen!”.
Strategische Relevanz von UX / User Research neu denken!
Bislang bindet die operative Leistungserbringung einen großen Teil der Arbeitszeit von UX Researchern (w/m/d). Dank KI verschaffen UX Researcher es nun der strategischen UX Research Arbeit mehr Zeit und Gewicht zu geben. Dafür brauchen sie Fragestellungskompetenz und Urteilskraft.
- UX Researcherinnen und UX Researcher müssen Ergebnisse, Unsicherheiten und Grenzen bewerten können.
- Sie brauchen Kontext- und Businessverständnis, um Nutzerwissen mit Zielen, Prioritäten und Entscheidungen zu verbinden – und damit “Business Impact” aus UX Research zu erzielen.
- Sie müssen beraten, verständlich kommunizieren und Entscheider begleiten. Und natürlich benötigen sie KI-Kompetenz:
- Sie müssen KI-basierte Werkzeuge sinnvoll einsetzen, deren Ergebnisse fachlich prüfen und ihren Einsatz verantworten.
Das sind – abgesehen von der technologischen Ausprägung der KI-Kompetenz – keine vollkommen neuen Fähigkeiten. Sie gehörten schon immer zu richtig gutem UX Research. KI wird nun dafür sorgen, dass mehr Zeit bleibt, sie tatsächlich einzusetzen!
Und noch etwas kann sich ändern: Die Kolleginnen und Kollegen, die Ansprechpartner auf Kundenseite, mit denen UX Researcher (w/m/d) reden und für die sie arbeiten werden.
Rein ins Innovationsmanagement und in die Unternehmensentwicklung!
Usability-Tests, Interviews und Anforderungsanalysen gehören zum Werkzeugkasten vieler Produktteams, bestehend aus Product Ownern, Entwicklern und UX Designer. Dort sind interne oder auch externe UX Researcher (w/m/d) akzeptierte und unverzichtbare Teammitglieder.
Schwieriger wird es, wenn strategische Fragestellungen anstehen. Dort wird UX Research und UX Design noch zu häufig als reines Optimierungsinstrument verstanden, zu selten als Quelle für Orientierung, Priorisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation.
UX Researcher (w/m/d) sollten die zeitliche Freiräume dank KI aktiv nutzen und ihre Rolle über klassische Produktteams hinaus finden und gestalten. Nutzer- und Kundenwissen ist nicht nur für die Optimierung digitaler Produkte relevant. Es gehört ebenso in Innovations-, Service-, Transformations- und Unternehmensentwicklungsteams.
Patrick Gallitz brachte es in seinem Interview auf Nutzerbrille auf den Punkt:
„Strategisch wirksame Organisationen nutzen Research als Grundlage für Entscheidungen. Nutzerwissen wird dort nicht als Projektartefakt betrachtet, sondern als Ressource für Produkt-, Service- und Unternehmensentwicklung.“
KI meets UX – und bietet UX Research eine rosige Zukunft!
Jenen UX Researchern (w/m/d), denen all das gelingt was ich bis hierher beschrieben habe, jenen bietet sich ein “sich selbst verstärkender Kreislauf”, der sie unersetzlich und zugleich zu strategischen Beratern, zu gern gesehenen Beraterinnen m Top-Management unserer Unternehmen macht:
- Mehr Zeit für Verständnis, Einordnung und Beratung erhöht die Wirksamkeit von UX Research.
- Mehr Wirksamkeit schafft mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung im Top-Management.
- Daraus entsteht mehr Einfluss, Macht, entstehen mehr Stellen und größere Budgets.
- Und diese ermöglichen wiederum mehr Research: früher in der Entwicklung, häufiger im Prozess und näher an wichtigen Entscheidungen.
KI trägt dazu bei, dass UX Researcher (w/m/d) früher und häufiger mit echten Menschen sprechen, digitale Produkte kontinuierlicher überprüfen und Nutzerwissen in mehr Entscheidungen einbringen. Das ist eine Zukunft des UX Research, auf die ich richtig Lust habe.
Aber hey: Sie entsteht nicht automatisch. Technologischer Fortschritt schenkt Möglichkeiten, aber noch keine neue, relevantere, strategischere Rolle.
Die muss aktiv und von jedem, jeder selbst gestaltet werden. Auf geht’s, liebe UX Researcher:
Nutzt KI, um mehr von dem zu tun, was euren eigentlichen Wert schon immer ausgemacht hat – und macht diesen Wert im Unternehmen sichtbarer!
Ich helfe, begleite und unterstütze euch gern – als Mentor, Sparringspartner, als Kollege.
Ich will eine rosarote Zukunft für euch und gemeinsam mit euch gerne gestalten.
Sprecht mich einfach an – ich bin gerne und unkompliziert für eure Fragen und Wünsche da.
Der Beitrag KI macht UX Research schneller. Machen wir UX Research wirksamer? erschien zuerst auf Nutzerbrille.
Wed, 19 Aug 2026 21:26:57 +0000
Wird UX Research künftig nur effizienter oder tatsächlich strategisch wichtiger? – Patrick Gallitz‘ Blick auf die Zukunft von UX Research
Es gibt Menschen der deutschen UX Community, bei denen weiß ich genau, wofür sie stehen. Patrick Gallitz (Mindfacts) gehört für mich dazu:
Patrick steht für einen Anspruch an User und UX Research, den ich schätze und der in seiner Ausprägung einmalig ist:
Genau hinschauen, zuhören, methodisch sauber arbeiten, stets Wissen und entscheidungsrelevante Erkenntnisse schaffen – zuverlässig und gültig, ab und an grundlegend, und auch unbequeme Erkenntnisse aussprechen.
Dafür steht Patrick seit Jahrzehnten. Er sieht UX und User Research als Instrument der Unternehmensführung an – niemals nur als einzelnes Projekt, abgeschlossen mit der Präsentation von Ergebnissen.
Patrick blieb und ist neugierig, lernbereit, will Erkenntnisse schaffen, die zu besseren Entscheidungen – sowohl auf operativer als auch strategischer Ebene – führen.
Diesen Anspruch lebt Patrick seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Diese Leidenschaft und sein Verständnis von UX Research in Perfektion hat er inzwischen an viele UX Professionals weitergegeben.
Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften und ersten Stationen in der Markt- und Nutzerforschung gründete Patrick im Jahr 2004 Mindfacts.
Mehr als 20 Jahre und 500 Studien später beschäftigt ihn noch immer die Frage, wie wir Menschen besser verstehen können und welchen Beitrag UX Research zu Produkt-, Innovations- und Unternehmensentscheidungen leisten kann.
Und genau aus diesem Grund hat Mindfacts vor einigen Jahren den UX Research Monitor initiierte und inzwischen etabliert hat. Patrick und sein Team wollen damit nicht nur wissen, welche Methoden wir UX Professionals einsetzen. Sie interessiert auch, wie sich unsere Profession verändert:
- Was macht beispielsweise KI mit unserer Arbeit? Wird Research lediglich effizienter – oder dank KI strategisch relevanter?
- Wie schaffen wir „Business Impact“, kommen von UX Research machen hin zu UX Research wirksam(er) machen?
- Und welche Rolle werden UX Researcher künftig in Unternehmen einnehmen?
Über diese Fragen, den UX Research Monitor 2026 und Patricks‘ Sicht auf die Zukunft unserer Profession haben wir gesprochen.
UX Research als Gradmesser für UX-Reife
Lieber Patrick, was verrät der Zustand von UX Research in Deutschland im Jahr 2026 über den Zustand von UX insgesamt?
Patrick: UX Research ist für mich ein sehr guter Indikator für den Reifegrad von UX insgesamt. Dort, wo Research systematisch eingesetzt wird, finden wir meist auch eine stärkere Nutzerorientierung, bessere Entscheidungsprozesse und eine höhere Bereitschaft, Annahmen zu hinterfragen.
Gleichzeitig zeigt sich aber ein interessantes Spannungsfeld: UX Research ist in vielen Unternehmen heute operativ etabliert. Usability-Tests, Interviews oder Anforderungsanalysen gehören zum Werkzeugkasten vieler Teams.
Schwieriger wird es jedoch, wenn es um strategische Fragestellungen geht. Dort wird UX häufig noch als Optimierungsinstrument verstanden und weniger als Quelle für Orientierung, Priorisierung und Innovation.
Der Zustand von UX Research zeigt daher sehr gut, wo die Branche aktuell steht:
„Nutzerzentriertes Arbeiten ist weitgehend akzeptiert. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, UX und Research stärker in strategische Entscheidungen einzubinden und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg sichtbar zu machen.“
UX Research Monitor von Mindfacts – die Entwicklung von UX Research über Jahre hinweg sichtbar machen!
Mit dem UX Research Monitor 2026 startest du erneut eine umfassende Erhebung innerhalb der UX-Research-Community. Was hat dich ursprünglich motiviert, dieses Format ins Leben zu rufen?
Patrick: Mich hat vor allem interessiert, wie sich unsere Disziplin tatsächlich entwickelt, jenseits von Konferenzen, LinkedIn-Diskussionen oder Einzelmeinungen.
Wir sprechen in der UX-Branche oft über ähnliche Themen: KI, ResearchOps, Business Impact, strategische Verankerung oder den Fachkräftemarkt. Gleichzeitig fehlt häufig ein systematischer Blick darauf, wie diese Themen in Unternehmen tatsächlich wahrgenommen werden.
Der UX Research Monitor soll genau diese Lücke schließen. Er soll kein wissenschaftlicher Grundlagenbericht sein, sondern ein Stimmungsbild der Praxis. Mich interessiert, welche Herausforderungen Unternehmen tatsächlich beschäftigen, welche Erwartungen an UX Research bestehen und wie sich die Rolle von Researchern verändert.
Darüber hinaus möchte ich Entwicklungen über mehrere Jahre hinweg sichtbar machen. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der KI unsere Arbeitsweise grundlegend verändert, werden Längsschnittdaten zunehmend wertvoll.
Germann UPA Branchenreport und UX Research Monitor – ähnliche Ziele, unterschiedliche Inhalte und Zielgruppen!
Der German UPA Branchenreport erhebt ebenfalls Daten aus unserer Community. Wo siehst du die Unterschiede zwischen beiden Formaten und warum braucht die UX-Community aus deiner Sicht beide Perspektiven?
Patrick: Ich sehe beide Formate eher als Ergänzung, denn als Konkurrenz.
Der Branchenmonitor der German UPA betrachtet vor allem die Situation der UX-Professionals selbst. Dort geht es beispielsweise um Rollenbilder, Karrierewege, Gehälter, Arbeitsbedingungen oder die Entwicklung des Berufsbildes. Das ist enorm wichtig, weil es zeigt, wie sich unsere Profession entwickelt und unter welchen Rahmenbedingungen UX-Arbeit stattfindet.
Der UX Research Monitor verfolgt einen anderen Schwerpunkt. Uns interessiert vor allem die Rolle von UX Research in Unternehmen.
- Welche Bedeutung hat Research?
- Wie verändert KI den Arbeitsalltag?
- Welche Kompetenzen gewinnen an Bedeutung?
- Welche Herausforderungen sehen Unternehmen?
- Welche Rolle spielen externe Dienstleister künftig?
„Während der Branchenmonitor stärker die Perspektive der Menschen in der UX-Community betrachtet, richtet sich der UX Research Monitor stärker auf Organisationen, Entscheidungsprozesse und die Zukunft von UX Research als Disziplin.“
Gerade die Kombination beider Perspektiven ermöglicht ein vollständigeres Bild der Branche.
UX Research wirksam machen – nicht immer gelingt das!
Wenn du auf die bisherigen Ausgaben des UX Research Monitors zurückblickst: Welche Entwicklungen oder Veränderungen haben dich persönlich am meisten überrascht?
Patrick: Mich haben vor allem die Widersprüche überrascht, die sich durch viele Ergebnisse ziehen.
Einerseits wird UX-Research von den Befragten als sehr wertvoll angesehen. Besonders hoch bewertet werden die frühzeitige Identifikation von Nutzerbedürfnissen, die Ableitung von Anforderungen und die Evaluation von Lösungen.
Gleichzeitig attestieren nur 31 Prozent dem Research einen relevanten Beitrag zur strategischen Ausrichtung von Unternehmen. Das hat mich nachdenklich gemacht. Offenbar wird Research häufig geschätzt, aber noch nicht überall als Instrument für strategische Entscheidungen verstanden.
Ein zweiter Widerspruch betrifft KI. Fast alle Befragten erwarten erhebliche Effizienzgewinne durch KI und viele sehen großes Potenzial in Analyse, Auswertung und Reporting. Gleichzeitig gehört die unkritische Übernahme von KI-Ergebnissen zu den größten wahrgenommenen Risiken. Die Branche scheint also gleichermaßen fasziniert und vorsichtig zu sein.
Besonders spannend fand ich aber noch etwas anderes: Viele Befragte erwarten, dass operative Research-Aufgaben künftig stärker automatisiert werden. Gleichzeitig rechnen sie damit, dass die Bedeutung von Interpretation, Beratung und strategischer Einordnung steigt. Genau darin sehe ich die zentrale Entwicklung unserer Disziplin.
„Die Frage ist nicht mehr, ob Künstliche Intelligenz Research verändert. Die spannendere Frage ist, welche Rolle Researcher künftig in Unternehmen einnehmen werden.“
Wie KI die Arbeit von UX Professionals verändert!
Viele UX Professionals erleben derzeit, wie sich ihre Rolle durch KI, wirtschaftlichen Druck und veränderte Organisationsstrukturen verändert. Welche Fragen interessieren dich dazu im diesjährigen UX Research Monitor besonders?
Patrick: Mich interessiert vor allem, wie sich die Arbeit tatsächlich verändert, nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch.
- Wird durch KI tatsächlich mehr Research durchgeführt?
- Wofür wird die gewonnene Zeit genutzt?
- Entsteht mehr Raum für Interpretation, Beratung und Strategie oder werden die gleichen Aufgaben einfach schneller erledigt?
Spannend finde ich auch die Frage, wie Unternehmen mit der Qualität KI-gestützter Ergebnisse umgehen. Vertrauen sie den Ergebnissen? Werden neue Prozesse zur Qualitätssicherung aufgebaut? Und welche Kompetenzen gewinnen dadurch an Bedeutung?
Letztlich interessiert mich die zentrale Frage des diesjährigen Monitors: Wird UX Research künftig nur effizienter oder tatsächlich strategisch wichtiger?
Qualität ist die beste Werbung für strategisch relevanten und wirksamen UX Research!
Viele verbinden UX Research vor allem mit Protokollen lauten Denkens, Tests und Interviews. Wann wird UX Research aus deiner Sicht wirklich anspruchsvoll, herausfordernd und warum sind genau diese Projekte oft die spannendsten, insbesondere für dich und Mindfacts?
Patrick: Anspruchsvoll wird UX Research immer dann, wenn Standardisierung an ihre Grenzen stößt.
Viele Fragestellungen lassen sich heute mit etablierten Methoden oder zunehmend auch mit KI-gestützten Verfahren effizient bearbeiten. Wirklich spannend wird es dort, wo Nutzungskontexte komplex sind, Zielgruppen schwer erreichbar werden oder Entscheidungen eine hohe wirtschaftliche Tragweite haben.
Das erleben wir häufig im B2B-Umfeld, bei Fachanwendungen oder in regulierten Branchen. Dort reicht es oft nicht aus, einen standardisierten Test aufzusetzen oder Nutzer automatisiert zu befragen. Viele Zielgruppen erwarten einen Gesprächspartner, der ihre Fachsprache versteht, nachfragen kann und ihnen auf Augenhöhe begegnet. Menschen wollen mit Menschen sprechen.
Gerade in solchen Projekten geht es weniger um die Durchführung einer Methode als um das Verstehen komplexer Zusammenhänge, den Aufbau von Vertrauen und die Übersetzung von Erkenntnissen in belastbare Entscheidungen.
Deshalb interessieren uns bei Mindfacts besonders Fragestellungen, die sich nicht vollständig standardisieren oder automatisieren lassen.
„Dort, wo Unsicherheit hoch ist und Fehlentscheidungen teuer werden können, entsteht häufig der größte Mehrwert durch fundierte Research-Arbeit.“
Von UX Research machen – hin zu UX Research wirksam machen!
Du arbeitest seit vielen Jahren mit Unternehmen unterschiedlichster Größe zusammen. Was unterscheidet Organisationen, in denen UX Research strategisch wirksam ist, von denen, in denen UX Research noch immer um Aufmerksamkeit und Einfluss kämpfen muss?
Patrick: Der entscheidende Unterschied liegt selten in der Anzahl der Researcher oder im Budget.
Strategisch wirksame Organisationen nutzen Research als Grundlage für Entscheidungen. Nutzerwissen wird dort nicht als Projektartefakt betrachtet, sondern als Ressource für Produkt-, Service- und Unternehmensentwicklung.
In weniger reifen Organisationen wird Research dagegen häufig als nachgelagerte Validierung verstanden. Man fragt Nutzer erst dann, wenn bereits viele Entscheidungen getroffen wurden.
Erfolgreiche Unternehmen schaffen zudem Strukturen für Wissensmanagement, Wiederverwendung von Erkenntnissen und den Austausch zwischen Teams. Sie investieren nicht nur in einzelne Studien, sondern in die Fähigkeit, kontinuierlich von Nutzern zu lernen.
Welche Fertigkeiten gewinnen an Bedeutung: Was unterscheidet gute von sehr guten UX Researcher (w/m/d)?
Welche Fähigkeiten werden UX Researcher in den kommenden drei bis fünf Jahren aus deiner Sicht stärker entwickeln müssen, um relevant und wirksam zu bleiben?
Patrick: Methodenkompetenz bleibt wichtig, wird aber zunehmend zur Grundvoraussetzung. Die eigentliche Veränderung sehe ich an anderer Stelle.
UX Researcher werden künftig stärker verstehen müssen, wie Unternehmen funktionieren:
- Welche Geschäftsziele verfolgt ein Unternehmen?
- Wie entstehen Prioritäten?
- Welche wirtschaftlichen Risiken und Chancen sind mit Entscheidungen verbunden?
Viele operative Aufgaben, von der Recherche bis zur Analyse, werden durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt der Arbeit. Der Mehrwert von Researchern wird weniger darin liegen, Daten zu erzeugen, sondern vielmehr darin, Erkenntnisse einzuordnen, Konsequenzen aufzuzeigen und Entscheidungsträger zu beraten. Dafür braucht es ein stärkeres Verständnis für Strategie, Geschäftsmodelle, Produktmanagement und Unternehmensführung.
„Aus meiner Sicht ist UX Research langfristig stärker mit Marketing, Innovation und Unternehmensentwicklung verbunden als mit Design.“
Die eigentliche Aufgabe besteht nicht darin, Methoden anzuwenden, sondern bessere Entscheidungen zu ermöglichen.
Diese Sichtweise prägt auch unseren Boutique-Ansatz bei Mindfacts. Wir verstehen Research nicht primär als operative Dienstleistung, sondern als Instrument zur Reduktion von Unsicherheit bei wichtigen Entscheidungen. Deshalb interessieren uns besonders Fragestellungen, bei denen Produkte komplex sind, Nutzungskontexte anspruchsvoll werden und Fehlentscheidungen teuer sein können.
Der UX Researcher der Zukunft ist deshalb nicht nur Forscher, sondern zunehmend auch Berater, Übersetzer und Sparringspartner für Produktverantwortliche und Management.
UX Research Monitor 2026 – Status quo und die Zukunft der Nutzerforschung
Was hoffst du durch den UX Research Monitor 2026 über unsere Branche zu lernen und warum lohnt es sich für UX Professionals, an der Erhebung teilzunehmen?
Patrick: Mich interessiert vor allem, ob wir aktuell eine reine Effizienzrevolution oder eine echte Rollenverschiebung erleben.
Viele Diskussionen drehen sich derzeit um Automatisierung, KI und Kostendruck. Die spannendere Frage ist für mich jedoch, ob UX Research dadurch strategisch an Bedeutung gewinnt oder ob es bei einer Optimierung operativer Prozesse bleibt.
Für UX Professionals bietet die Teilnahme die Möglichkeit, die Entwicklung der eigenen Disziplin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig erhalten wir als Branche ein aktuelles Bild darüber, welche Themen Unternehmen tatsächlich beschäftigen und welche Kompetenzen künftig gefragt sein werden.
Je mehr Perspektiven wir einbeziehen, desto belastbarer werden die Erkenntnisse. Genau deshaln lohnt sich die Teilnahme – heute (Fragebogen UX Research Monitor 2026) und bei zukünftigen Erhebungen.
Patrick, vielen Dank für dein Engagement für die UX Community und unsere Profession.
Ihr schafft mit dem jährlich durchgeführten UX Research Monitor, dessen Ergebnisse und Erkenntnisse ihr offen teilt, immer wieder wichtige Insights und Impulse, über die wir gemeinsam diskutieren können. Das macht für mich euren UX Research Monitor so wertvoll – und bin gespannt, was uns die Ergebnisse 2026 über die Zukunft von UX Research erzählen werden.
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Tue, 11 Aug 2026 15:48:59 +0000
uxHH – UX Community Hamburg 2026-08-11 16:48:59

Nach 25 Jahren laden wir einmal mehr zum #uxHH Roundtable Classic ein.
25.8.26 bei MAMA neben dem Hamburger Rathaus.
Anmeldung: https://uxhhclassic2026.eventbrite.de
Mon, 20 Jul 2026 10:32:44 +0000
Von Orgelpfeifen und Software-Plugins, Teil 8: Das ligeti zentrum – Musiktechnologien von morgen
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Tue, 07 Jul 2026 09:38:51 +0000
Anbindung neuer Bezahldienstleister an bestehende Payment-Systeme
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Mon, 06 Jul 2026 10:25:55 +0000
Von Orgelpfeifen und Software-Plugins, Teil 7: Mit Emagic von Hamburg ins Appleversum
Der Beitrag Von Orgelpfeifen und Software-Plugins, Teil 7: Mit Emagic von Hamburg ins Appleversum erschien zuerst auf ligeti zentrum.
Tue, 23 Jun 2026 13:00:58 +0000
ligeti zentrum auf dem HHIS 2026: Innovation braucht die Künste!
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About RSS Enterprise
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