FSW xy ungelöst

ChronoHH Research Lab – Historische Perspektiven aus Hamburg

Bei einigen Photos Carl Dransfelds ist der genaue Ort ihrer Entstehung oder die Einordnung des abgebildeten Werkes innerhalb des Schaffens von Fritz Schumacher nicht eindeutig geklärt. Hier soll versucht werden diese Lücken in der Geschichte zu schließen.

Heilanstalt Strecknitz bei Lübeck

[ab HANSif1268]

Heilanstalt Strecknitz

Verortung: HANSif1268 - HANSif1282 sind kein Schulhaus in Lübeck, sondern gehören zur Heilanstalt in Lübeck. Diese konnte auf google maps lokalisiert werden.

Die Heilanstalt Strecknitz steht in keinem Werkverzeichnis von Fritz Schumacher. Warum? Entweder weil sie nicht vom Architekten Fritz Schumacher entworfen wurde, oder weil sie bislang übersehen wurde und ihm nicht zugerechnet werden konnte.

Info von Dieter Schädel (Fritz Schumacher Institut) via Dirk Schubert (Fritz Schumacher Gesellschaft), 17.10.2016, (Ergänzunngen in "[ ]" von mprove):

ich habe noch einmal ein wenig in unserem Planbestand recherchiert und kann jetzt die Signatur identifizieren.

Es handelt sich um den Oberbaurat [Eugen] Göbel […] Er ist hauptsächlich bei Krankenhausbauten tätig gewesen. Auch für die Heilanstalt Strecknitz ist er tätig gewesen und es gibt Pläne und Zeichnungen mit seiner Signatur. Wir haben diverse Pläne, die von Göbel und Fritz Schumcher abgezeichnet sind. U. a. von der Schule Langenfort [FSW258] oder der Lichtwarkschule [FSW211]. Göbel war später Leiter einer Hochbauabteilung, die für Krankenhausbauten zuständig war.

Eugen Göbel

Mit dem Bau des Bahnhofs [Schmalenbeck] war 1914 Eugen Göbel, Architekt und Oberbaurat in Hamburg beauftragt. Bis zum „Groß-Hamburg-Gesetz“ 1937 gehörte Großhansdorf als eine von mehreren Walddörfer-Exklaven zu Hamburg. 1914 hatte man begonnen die „Walddörferbahn“ zu bauen, aber der Erste Weltkrieg verzögerte das Projekt, und so wurde die Bahnstrecke, die heute zur Linie U1 gehört, erst 1921 in Betrieb genommen. Entworfen hatte alle Zugangsgebäude der Walddörferbahn Eugen Göbel, aber viel mehr, als dass er von 1906 bis 1930 Oberbaurat in Hamburg war, weiß man leider nicht von ihm. […] Oberbaurat Eugen Göbel wirkte unter Fritz Schumacher, der 1908 Oberbaudirekter in Hamburg wurde. /via Der Oberbaurat und das Pin-up

Krankenhaus Barmbek

Wer ist der Architekt des Erweiterungsbaus und der Pförtnerhäuschen am AK Barmbek?

Im Fritz Schumachers Werkverzeichnis wird keine Bautätigkeit für das Krankenhaus Barmbek aufgeführt. Trotz einiger Indizien ist also nicht geklärt, ob die Anbauten von Fritz Schumacher stammen.


Anbau am AK Barmbek. Ein typischer Schumacher?


Anbau am Ziviljustizgebäude, FSW261

Am 14.09.2017 um 10:33 schrieb Dieter Schädel an Thomas Völlmar:

Hallo Thomas,

die Bauten im AK-Barmbek sind im Wesentlichen von Ruppel entworfen worden. Es gibt keine Pläne, die von Schumacher direkt sind. Ruppel war unter Schumacher Leiter der 3. oder 4. Hochbauabteilung und vor allem für Krankenhausbauten zuständig. D. h. Fritz hat ihm über die Schulter geguckt und auch teilweise die Pläne als genehmigt abgezeichnet.
LG Dieter

MMP an Thomas Völlmar, Dieter Schädel, 14.9.2017:

Hallo Herr Völlmer,
Werter Herr Schädel,

vielen Dank!
Ja, Herr Friedrich Ruppel hat das AK Barmbeck architektonisch entworfen und gebaut – Bauphase 1910-1914.
Mir geht es um den Anbau am Haus mit dem Wasserturm, der in einem deutlich späteren Backsteinstil realisiert wurde.

Wie man anhand der Vermessungskarten im Geo-Portal sehen kann, sprechen wir hier wirklich von einem nachträglichen Erweiterungsbau:

Aber war es um 1925-30 noch Herr Ruppel? Er wäre dann schon über 70 gewesen. War er noch tätig?

Es muss ja nicht Herr Schumacher selbst gewesen sein nur weil Carl Dransfeld den Anbau photographiert hat und sich die Glasplatten im Nachlass von Fritz Schumacher befunden haben. Außerdem gibt es, wie sie sagen, keine Pläne von Fritz Schumacher direkt.

Welcher Architekt käme sonst noch in Frage? Vielleicht Herr Göbel?

Mit dem Planungsbüro HamburgTeam, die das Projekt Q21 auf dem Gelände des AK Barmbek entwickelt haben, stehe ich in Kontakt. Die wissen aber auch nicht, wer den Anbau entworfen hat.

Es grüßt freundlichst,
Matthias Müller-Prove

Thomas Völlmar, 15,9,2017 an MMP, cc Dr. Dieter Schädel (Fritz Schumacher Institut), Jörg Seifert (Behörde für Kultur und Medien Hamburg)

Sehr geehrter Herr Müller-Prove,

aus dem Denkmalschutzamt erhalten wir diese Information:

Sie liegen mit Ihrer Vermutung richtig, Oberbaurat Göbel plante die Erweiterung. Weitere Einzelheiten könnten sich aus der Bauprüfakte (Bez.-amt Nord) ergeben.

Beste Grüße
Thomas Völlmar

Schule FSW-BSfV

[HANSif1324] und [HANSif1325] [HANSif1318] zeigen ein unbekanntes Schulmodell.

In der Struktur ähnelt das Modell der Schule Caspar-Voght-Straße: Hauptflügel, Turnhallen-Flügel im ca. 100°-Winkel auf der rechten Seite, so dass es sich um eine Vorstudie handeln könnte.

Man kann zur Tür zoomen und findet dort die Aufschrift „Berufsschule für Verkäuferinnen“. Wurde die Schule je gebaut? Wo? Von wem? Existiert sie noch?

Eine Lehrerin war Jeanette Baer (1903-1944)

…vom 15. August bis zum 22. September 1929 hatte sie an der Staatlichen Handelsschule in Hamburg vertretungsweise Unterricht in Französisch und Englisch übernehmen dürfen. Auf eigenen Wunsch hin wurden ihr für zwei Jahre pädagogische Berater zur Seite gestellt. Diese bescheinigten ihr "eine gute Lehrtätigkeit sowie eine methodische und didaktische Qualifikation", und weiter, dass sie "mit großer Hingabe arbeite, sie bringe den einzelnen Schülerinnen ein starkes persönliches Interesse und viel Verständnis entgegen. Ihr Unterricht war lebendig, anschaulich und die Schülerinnen wurden zum selbstständigen Denken angeregt". Ab 1930 unterrichtete sie stundenweise als Hilfslehrerin an der Berufsschule für Kontoristinnen und der Berufsschule für Verkäuferinnen sowie in freiwilligen Abendkursen in den Fächern: Buchführung, kaufmännisches Rechnen, Deutsch, Handels- und Bürgerkunde. Da Jeanette Baer eine sehr engagierte Lehrerin und ihr die Fortbildung junger Menschen ein wichtiges Anliegen war, unterrichtete sie an mehreren Schulen. – [Stolpersteine Hamburg: Jeanette Bear]

Im Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg liegt eine Akte zum Bau einer Berufsschule für Verkäuferinnen in der Lübecker Straße.

Archivaliensignatur: Staatsarchiv Hamburg, 321-2_B 886
Kontext: Baudeputation >> Bauwesen von 1814 bis 1945 >> Hochbau >> Schulwesen >> Berufs- und Fachschulen
Laufzeit: 1928-1930

Bei dem charakteristischen Winkel der beiden Gebäudeflügel wäre die Ecke Berliner Tor / Bei der Hauptfeurewache eine mögliche Lage für die Berufsschule, da die Geometrie des Grundstücks passt. Heute steht dort ein zweigeschossiges charakteloses Gebäude.

Photos

Die Straßenecke Lübecker Tor / Hinter der Hauptfeuerwache 1914

Luftbild Lübeckerthorfeld 1943


Rektifiziertes Aufklärungsphoto der RAF 1943; Screenshot aus Google Earth History. Abgebildet ist das Lüberckerthorfeld nördlich vom Bahnhof Berliner Tor.

Das Lyzem liegt am südlichen Ende des feien Sportfeldes. Das Lyzeum wirft mit seinen 5 Etagen einen Schatten, der genau so lang ist, wie der vom Gebäude westlich vom Lyzeum, Ecke Berliner Tor / Bei der Hauptfeuerwache.

18.6.1944: HAMBURGER FEUERWEHR-HISTORIKER E. V. - Spuren der Vergangenheit

Das Schadensbild der Bilddarstellungen zeigt eindeutig die Sprengwirkung einer 500lbs Spreng- bombe. Mehrere von diesem Kaliber sind am 18. 6.1944 auf die Hauptfeuerwache am Berliner Tor gefallen.

Die Feuerwehr erlitt ihren schwersten Ausfall während des ganzen Krieges durch die weitgehende Zerstörung der Hauptfeuerwache am Berliner Tor. Dieses noch allein fast unbeschädigt im Flächenbrandgebiet des Jahres 1943 stehende Gebäude war Objekt des zweimaligen Zielanflugs eines kleinen Bomberpulks, der insgesamt 25 schwere und schwerste Sprengbomben auf das Gelände der Hauptfeuerwache und die nähere Umgebung warf .

Luftbild am 13.9.1944 – gefunden als kostenloses hochaufgelöstes Beispielbild der National Collection of Areal Photography NCAP

Im September 1944 war die Häuserzeile gegenüber der Hauptfeuerwache zerstört. Das Lyzeum und die Ecke Berliner Tor / Bei der Hauptfeuerwache scheinen hingegen noch intakt.

Es kann vermutet werden, dass das Modell als Fachschule für Verkäuferinnen neben dem Lyzeum auf dem Lüberckerthorfeld gestanden hat. Gesichert ist diese Erkenntnis noch nicht. /4.9.2017

May 3.rd, 1945, air to ground photograpgh of Hamburgh – Nach diesem Bild vom 3.5.45 scheint neben der Feuerwache die Ruine des Gebäudes zu stehen, das auch schon 1914 hier stand. Das Projekt für die Berufsschule für Verkäuferinnen scheint also nie realisiert worden zu sein. /7.9.2017

Heute

HBT – Handelsschule Berliner Tor

HST Akademie

Planetarium

4.9.2017

HANSif1326 und HANSif1327 zeigen das Modell eines Kuppelbaus. Die StabiHH vermutet eine Kapelle.

Nach Einzoomen zeigt sich die Inschrift „PLANETARIVM HAMBURG“. Da das Hamburger Planetarium im ehemaligen Wasserturm im Stadtpark beheimatet ist, kann es sich hier nur um eine nichtrealisierte Vorstudie eines Neubaus handeln. Unklar ist, aus welchem Jahr das Modell stammt und ob es an Stelle des Wasserturms gebaut werden sollte.

[1908] gewann [Oskar Menzel] einen Architekturwettbewerb für den Bau eines Wasserturms im Hamburger Stadtteil Winterhude. Dieser Turm wurde 1913/1915 unter Leitung von Fritz Schumacher erbaut und 1930 zum Planetarium Hamburg umgenutzt. –Wikipedia: Oskar Menzel

FSWK337 Entwurf zum Neubau eines Planetariums (Die Wikipedia nennt die Nummer FSW338)

Grabmale

20 Okt 2018

Im Architekturmuseum der TU Berlin (via Coding Da Vinci) sind 3 Doppelseiten-Scans mit Grabmalen erhalten, die von Fritz Schumacher gestaltet wurden:

Inv. Nr. B 2363,20
FSWK094 links: Helene Tierfelder (geb. Grimm) 1868-1908, Friedhof Plauen im Vogtland
Inv. Nr. B 2363,22
FSWK066 links: Louise Gushurst
FSWK xy rechts: [möglicherw. von Fritz Schumacher, Grabstein ohne Namen, mit Skulptur]
Inv. Nr. B 2363,23
FSWK091 links: Wilhelm Grube 1855-1908, Friedhof Berlin-Wilmersdorf ChronoLink, Grabmal nicht erhalten
FSWK102 rechts: Moritz Lauenpusch 1853-1909 und Frieda Ziegler _-1906, Friedhof Berlin-Wannsee II ChronoLink

Stephan Bartolomei: Moritz ? commons.wikimedia.org/…/File:Friedhof_wannsee_Moritz_Lauenpusch.jpg

Quelle: Karl Richard Henker:
Grabmalskunst, 5. Folge, Eine Sammlung von Meisterwerken erschaffen zum Gedächtnis der Toten von Künstlern unserer Tage, hrsg.v. K.R. Henker, Berlin

Rayon Köln

Außerdem gibt es im Architekturmuseum der TU Berlin einen „Plan für das Umlegungsgebiet des ehemaligen Festungsrayons der Stadt Köln.“:

FSWK209 Inv. Nr. 21018
FSWK225 Brücke und Hochhaus waren zwar für Köln projektiert, liegen aber nicht im ehemaligen Festungsrayon. Insofern stellt sich die Frage, welche Werknummer Schumachers Wettbewerbsbeitrag eines Hochhauses am Rhein führen soll. >> FSW 225 – Fehler bei der Stabi, Wikipedias Werkverzeichnis hatte FSW 225 gar nicht.

Referenzen

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